Rundbriefe und Rundbriefarchiv

Osterrundbrief 2020

Santiago im April 2020

Unsere lieben Freunde,

frohe Ostergrüße aus Chile, Bolivien und Peru. Dazu wünschen wir euch und euren Familien gute Gesundheit,
Vertrauen und Freude. Normalerweise übersetze ich den Brief an euch für unsere Mitarbeiter und Freunde von
Cristo Vive auf Spanisch. Diesmal habe ich es umgekehrt gemacht.
Dieses Jahr feiern wir die „Semana Santa“ – Karwoche und Ostern hier und in vielen Teilen der Welt wie noch nie
zuvor in unserer Geschichte.
Seit 2000 Jahren lädt uns diese Woche jedes Jahr dazu ein zu entdecken, dass Gott mit uns ist und uns Jesus,
seinen Sohn, in Fleisch und Blut gesandt hat, um uns seine grenzenlose Liebe bis zum Tod am Kreuze zu zeigen –
ohne etwas von uns zu verlangen.
Das Osterfest, ist, wie man früher sagte unser Patronatsfest: CRISTO VIVE – Christus lebt! Wir feiern!
Gerne würde ich dieses Fest mit all unseren Mitarbeitern und Freunden feiern, denn durch unsere Dienste zeigen
wir konkret, bewusst oder unbewusst, dass Christus lebt und Gott die Menschen liebt, für die wir uns einsetzen.
Wir dienen nicht uns selbst, sondern jenen, die unseren Dienst brauchen und können dies mit Liebe tun.
Für mich ist aller Einsatz leichter, wenn ich mich mit der Liebe verbinde. Und ich bin mir sicher, dass ihr dieselbe
Erfahrung gemacht habt, sei es in der Familie oder bei der Arbeit.
Nun möchte euch noch einmal teilhaben lassen, was unseren Mitarbeitern, die im Gefängnis arbeiten, passiert ist:
Wie ich euch in meinem Weihnachtsbrief erzählt habe, hatten sie für ihre Schüler, für den 23. Dezember eine
Überraschung vorbereitet, um mit ihnen Weihnachten zu feiern. Dazu hatten sie auch ein paar Kollegen und mich
eingeladen. Es gab ein gutes, üppiges Frühstück und für jeden das schön verpackte Lapislazuli Kreuzchen als
Geschenk – das Symbol von Cristo Vive. In meiner Rede versuchte ich den Gefangenen zu vermitteln, dass Gott uns
alle bedingungslos liebt, auch wenn wir Verbrechen oder andere Fehler begangen haben.
Jesus wollte ärmer geboren werden als wir alle: Wie nicht das Herz öffnen für diese Liebe? Alle hörten
aufmerksam zu, sogar die Gendarmen und der Offizier, der zu der Prüfungskommission gesagt hatte: „Cristo ahora
vive aquí!“ (Jetzt lebt Cristus hier!).
Wir Besucher verabschiedeten uns glücklich, während unser Team den Unterricht in Schweißen und Elektrizität
aufnahm. Als diese gegen Abend in die Stiftung zurückkehrten und in meinem Büro vorbeikamen, waren sie sehr
gerührt und betroffen, wie die Schüler nach unserem Weggang reagiert hatten. Sie hätten zu ihnen gesagt: „Was
wir heute erlebt haben, das haben wir nicht verdient!“ Ich traute meinen Ohren nicht, so hat es mich getroffen!
Bis zum heutigen Tage frage ich mich, was wir für diese, unsere Geschwister tun können, die einmal ein
Verbrechen begangen haben, manche von ihnen sind schon seit 20 Jahren im Gefängnis. Sie fühlen sich nicht
würdig, dass wir für sie ein kleines Fest und ein Geschenk organisieren. Was für ein Selbstwertgefühl ? Was
können wir tun, dass sie die Liebe Gottes und ihren eigenen Wert entdecken?
Wir haben noch einen langen Weg vor uns. Das habe ich auch mit unseren Mitarbeitern besprochen.
Alle, die wir in der Fundación Cristo Vive arbeiten, haben wir eine Berufung und folgen der Einladung den
Bedürftigen mit Liebe in unseren Einrichtungen zu dienen.
Wir sind keine Funktionäre, die ihren Dienst nach Vorschrift machen und nach Hause gehen.
Manchmal ist unser Dienst schwierig, wie in diesen Tagen der Bedrohung durch den Coronavirus.
Unsere Anerkennung gilt den Mitarbeitern des Gesundheitszentrums, die in den vergangenen 14 Tagen fast 7000
Menschen gegen Grippe geimpft haben und den Teams der Obdachlosenhilfe, die den Menschen auf der Straße so
gut wie möglich beistehen.
Immer möchte ich all unsere Mitarbeiter einladen, sich auf ihrem Arbeitsplatz aktiv zu beteiligen, ihre Vision,
Meinungen und Beobachtungen, wie auch ihre Kritik einzubringen, um miteinander den bestmöglichen Dienst zu
leisten. Hoffentlich könnt ihr spüren, dass wir alle zusammen die Fundación Cristo Vive sind. Wir träumen davon,
dass wir alle ein Sandkorn dazu beitragen, dass alle Menschen unseres Landes in Würde leben können. Das geht
über diese kritische Zeit des Covid hinaus.
Wir stehen ein für eine gerechtere und geschwisterliche Gesellschaft ein. Jesus hat sein Leben eingesetzt, damit
wir lernen einander zu lieben.
In dieser Heiligen Woche, danke ich Gott für alle unsere Mitarbeiter in Chile, Bolivien und Peru, Luxemburg,
Schweiz und Deutschland, für alle Vereins- und Vorstandsmitglieder und alle Freunde.
Ich bete um Gesundheit für uns alle.
Dass Jesu Licht unsere Wege erleuchte und uns mit Liebe und Freude erfülle!
Cristo Vive! Christus lebt!
Soweit mein Brief an die Mitarbeiter und Freunde hier vor Ort.
Nun möchte ich nur ganz kurz über die Situation unserer Dienste in der Covid-19-Krise informieren:
In Chile, Bolivien und Peru laufen seit 2 Wochen fast alle unsere Dienste nur auf Sparflamme wegen öffentlichen
sanitären Anordnungen und Ausgangssperren der jeweiligen Regierungen zur Vorbeugung von Ansteckung im
Kampf gegen das Virus. Es ist schwer Prognosen zu machen. Für ganz Chile hatte man zu Ende März 42.000
Angesteckte befürchtet und angesagt, die Statistik ergab 3.500 Erkrankte, 14 Tote. Ähnlich sieht die Situation in
Peru und Bolivien aus. Unsere Länder werden aber weiter alles tun, um die Gefahr einzudämmen, da unsere
öffentlichen Gesundheitseinrichtungen der Herausforderung nicht entsprechen könnten.
Ich habe Bewegungsfreiheit, weil ich zum öffentlichen Gesundheitsdienst gehöre. Dabei begegne ich vielen
schwierigen Situationen von Not und Mutlosigkeit. Da spüre ich Gottes Beistand, um selbst helfen zu können.
Liebe Freunde, wir bleiben am Ball. In der Hoffnung, dass wir diese Krise bald überwinden und viel von ihr lernen.
Von Herzen umarmt euch eure
Zum obigen Foto: Seit 1980 gehen wir jedes Jahr den Volkskreuzweg an Orte, an denen Tod und Ungerechtigkeit
geschehen ist. Die letzten fast 30 Jahr führte uns der Weg zum ehemaligen Folterzentrum Villa Grimaldi, um uns
ermutigen zu lassen von Jesu Liebe bis zur Hingabe seines Lebens, aber dann gleich zu feiern, dass sein Tod nicht
das Ende war, sondern das der Auferstandene in uns und unter uns lebt.

Eure Karoline

Osterbrief 2020

Zur Erinnerung unsere Anschrift und Konto: „Cristo Vive Europa e.V.“ Hallertauer Volksbank e.G. Manching Kontonummer: 9670068 BLZ: 72191600

Mehr Informationen: Karoline Mayer Casilla 2943, Santiago de Chile Tel: 0056-2-6255243, karoline@fundacioncristovive.cl Zuhause:0056-2-6212003

www.cristovive.de
www.fundacioncristovive.cl
www.bolivienprojekt.de
www.fcv-bo.org

Rundbriefarchiv

Die Rundbriefe sind als pdf-Dateien gespeichert und können zum Lesen heruntergeladen werden.

Diese Webseite verwendet Cookies. Wir verwenden Cookies um Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Sie geben Einwilligung zu unseren Cookies, wenn Sie unsere Webseite weiterhin nutzen. Weitere Informationen erhalten Sie unter Datenschutz