Halbjahresbericht Consultorio CESFAM

Halbjahresbericht Consultorio CESFAM von Johanne Kleine- Vennekate

Mittlerweile sind sechs Monate vergangen, seit dem ich meinen Fuß zum ersten mal auf chilenischen Boden gesetzt habe. Ich kann mich noch gar nicht entscheiden, ob das halbe Jahr für mich schnell oder langsam vergangen ist, wahrscheinlich beides.

Als ich meinen letzten Quartalsbericht geschrieben habe waren vor allem in meiner Einsatzstelle im Consultorio noch einige Sachen unklar.
Mittlerweile haben sich viele Dinge geklärt und dank Helga habe ich mittlerweile in Ramón einen Ansprechpartner gefunden, der mit viel Zeit und Geduld alle meine Anliegen und Probleme zu lösen weiß. Ramón hat auch zusammen mit mir einen Plan für die restlichen Monate erstellt, sodass ich die Gelegenheit bekomme die vielfältigen Arbeitsbereiche im Consultorio kennen zu lernen.
Auch hatte ich ein Gespräch mit Marla, der Directora, dass ich zwar keine Infusiónen anhängen darf und auch keine Intramuskuläre Spritzen verabreichen darf, dafür darf ich aber jetzt jeden Morgen im Labor eine Stunde Blut abnehmen. Ich fand es zwar ein bisschen schade, dass ich die anderen Sachen nicht machen darf, aber ich bin froh, dass es jetzt alles geklärt ist und ich mit der Blutabnahme eine Aufgabe habe, die mir sehr Spaß macht und ich auch selbständig arbeiten kann.

Die Mitarbeiterinnen im Labor sind alle sehr nett und haben sich gefreut, dass sie Unterstützung bekommen, da eine von ihnen Anfang Dezember in Schwangerschaftsurlaub gegangen ist. Mir macht die Tätigkeit richtig Spaß und ich fand es schön, dass ich eine echte Unterstützung sein kann.

In der Enfermería habe ich noch bis Ende Dezember gearbeitet. In der Zeit habe ich mich immer besser mit meinen Arbeitskollegen verstanden. Durch Krankheitsausfall kam es auch oft vor, dass wir relativ wenig Mitarbeiter in der Enfermería waren und so wurden oft Aufgaben an mich abgegeben, sodass ich immer mehr Teil des Teams wurde. Dr. Santos, die in der Enfermería alle ärztlichen Tätigkeiten übernimmt, hat auch manchmal mich Patienten selbst untersuchen lassen und ich musste ihr dann meine Beobachtungen und Ergebnisse mitteilen. Dabei habe ich sehr viel über die Primärversorgung gelernt. Ansonsten habe ich viele EKGs geschrieben, Vitalzeichen gemessen, Urintest und Blutzuckertest gemacht und Anamnesegespräche mit den Patienten geführt.
Durch die ganzen vielen Tätigkeiten, dem vielen Patientenkontakt und langen Gesprächen mit meinen Kollegen ist auch mein Spanisch deutlich besser geworden. Insgesamt habe ich mich in der Zeit bis Ende Dezember immer wohler gefühlt.

Im Januar habe ich dann in die Pädiatrie gewechselt und konnte dort den Ärzten von der Universidad de Chile über die Schulter gucken. Oft kamen die kleinen Patienten zur Gesundheitskontrolle mit ihren Eltern. Dabei untersuchten wir Patienten vom Säuglingsalter bis hin zu Teenagern. Die Gesundheitskontrollen waren oft das gleiche, aber die Sozialanamnese in denen die Kinder und ihre Eltern über die Familien- und Wohnverhältnisse ausgefragt wurden waren für mich persönlich am interessantesten. Durch die vielen Gespräche habe ich einen guten Einblick die chilenischen Familien, die in Recoleta wohnen, und die Kindererziehung mit ihren Herausforderungen und Problemen bekommen. Einmal in der Woche ist eine Neurologin, die auf Kinder spezialisiert ist, gekommen und alle Kinderärzte zusammen haben drei Patienten an einem Vormittag sehr intensiv untersucht. Oft wurden Test auf geistige Behinderung oder ADHS gemacht, was sehr spannend war. In der Pädiatrie waren auch viele Medizinstudenten, die dort Praktikum gemacht haben. Die Studenten musste alle zwei Wochen Vorträge über bestimmte Kinderkrankheiten halten und dann wurde darüber nochmal gesprochen. Bei diesen Seminaren durfte ich auch dabei sein. Zwar war es manchmal schwer alles zu verstehen, aber trotzdem hat es mir einen guten Überblick über die gängigen Kinderkrankheiten gegeben.
Weil die Kinderärzte der Universidad de Santiago nur bis mittags arbeiteten, war ich anschließend immer noch in der Enfermería. Da aber im Januar die Ferien los gingen, hatten wir nur wenig Patienten zu versorgen und haben oft einfach die Zeit tot geschlagen, aber das war auch mal okay.

Insgesamt fand ich die Zeit in der Pädiatrie sehr interessant, aber ich habe auch sehr schnell gemerkt, dass ich keine Kinderärztin werden möchte, was auf jeden Fall auch eine Erfahrung war.

In meiner Freizeit bin ich bis Dezember zum Yoga gegangen und an den Wochenende haben wir Ausflüge und Unternehmungen gemacht. Die Adventszeit war für mich persönlich mein absoluter Tiefpunkt in dem halben Jahr. Ich hatte sehr viel Heimweh und wäre an Weihnachten gerne zu Hause gewesen. Zwar ist man durch das warme Wetter und die vielen Termine (wie der Paseo der Fundación, WG-Partys, Nachmittag bei Helga usw.) nicht wirklich in Weihnachtsstimmung gekommen, aber gerade Fotos und Nachrichten von Zuhause haben mich sehr oft an meine Familie und meine Freunde in Deutschland denken lassen. Ich denke, dass ich nie wieder Weihnachten nicht zuhause feiern werde. Ich habe einfach alles vermisst: das Haus meiner Eltern, die Rituale und der Besuch in der Kirche und einfach da zu sein bei meiner Familie.
Trotzdem war Weihnachten hier in Santiago ganz schön. An Heiligabend haben wir uns zuerst bei uns im Haus getroffen. Jede WG hatte Essen für ein Buffet mitgebracht und zusammen haben wir gegessen, Fotos gemacht und viel Spaß zusammen gehabt. Danach sind wir in die Kirche bei Schwester Karoline gegangen und haben anschließend noch bei dem Essen für die Armen geholfen. Dann ging es wieder zu uns ins Haus und wir haben zwischen den Häusern Schrottwichteln gemacht und anschließend Activity gespielt. Am 1.Weihnachtstag bin ich mit Freundinnen an den Strand in Quintay gefahren.
Insgesamt war die Weihnachtszeit trotzdem schön, vor allem weil es immer wieder kleinen, schöne Überraschungen gab.

Ende Januar bin ich dann mit Franzi und Franka nach Peru geflogen, von Lima sind wir über Cusco, Titicacasee, La Paz, Sucre, Uyuni bis nach San Pedro de Atamaca gereist. In der Zeit habe ich sehr viele beeindruckende Landschaften gesehen und tolle Menschen kennen gelernt. Ich hab mich sehr gefreut aus Santiago raus zu kommen und mal ganz was anderes zu sehen. Auch bin ich sehr froh, dass ich die Unterschiede zwischen Peru, Bolivien und Chile erleben durfte und nochmal mehr von Südamerika kennen gelernt habe.

In den nächsten sechs Monaten freue ich mich erst mal darauf, dass bald meine Eltern kommen und ich mit denen in den Süden und in den Norden von Chile reise und so erst mal richtig das Land kennen lerne. Ich hoffe, dass ich noch mein Spanisch verbessern kann und noch mehr Chilenen in meinem Alter kennen lernen kann, damit ich noch mehr die Kultur in Chile verstehen und erleben kann. In wünsche mir, dass ich die verbliebene Zeit hier in Santiago so gut wie möglich nutzen kann und noch viele tolle neue Erfahrungen sammeln kann.
In meiner Einsatzstelle wünsche ich mir, dass ich mich in den verschiedene Arbeitsbereichen immer wieder aufs neue gut einfinden kann und ich viel lerne und dabei nützlich sein kann.

Liebe Grüße,
Johanne

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