Arpillera-Ausstellung in Berlin

Arpillera-Ausstellung in Berlin

Seit 21. Februar 2021 wird in der evangelischen Johanneskirche in Berlin eine Arpillera-Ausstellung gezeigt. Sie wurde gestaltet von Mitgliedern der Gruppe Cristo Vive Berlin, die die Arbeit von Schwester Karoline Mayer in Chile, Bolivien und Peru unterstützt. Die Ausstellung, die bis Ende April zu sehen sein wird, steht unter der Überschrift “Chile 1973 – 1990 – vom Alltag in der Diktatur”. Sie ist nur sonntags von 16 – 18 Uhr geöffnet. Es ist immer jemand von der Berliner Gruppe da, um Fragen zu beantworten.

Altarbild in der Johanneskirche

Die Johanneskirche mit dem Altarbild

Arpilleras an den Wandpfeilern

Galerie der in der Johanneskirche ausgestellten Arpilleras

Arpillera ist ein spanisches Wort und heißt übersetzt Sackleinen. Arpilleras sind auf Sackleinen gestickte Stoffbilder, die vor allem in Südamerika hergestellt werden. Sie stellen das Alltagsleben aus Stadtvierteln und Dörfern dar. Frauen kommen in Gruppen zusammen und fertigen die Arpilleras kunsthandwerklich an. Diese Arbeit gibt ihnen die Möglichkeit, bedrückende Erlebnisse ins Bild zu bringen, zu informieren und das Erlebte zu verarbeiten.
Zur Zeit der Regierung von Diktator Augusto Pinochet in Chile (1973-1990) gab es wirtschaftlichen Niedergang, infolgedessen Hungersnot. Es gab Verfolgung vom Geheimdienst und politische Morde. In Santiago wurden Armenviertel von der Polizei umstellt und Bewohner festgenommen. Die Gefangenen wurden gefoltert, in berüchtigte Lager gebracht oder verschwanden. Das alles, aber auch
der Widerstand der Bevölkerung gegen Unterdrückung und Misswirtschaft wurden in den Arpilleras ins Bild gesetzt.
Die hier ausgestellten Arpilleras wurden in Frauengruppen hergestellt, die vom Vicaría de la Solidaridad (Vikariat der Solidarität) ab 1976 bis 1990 initiiert wurden. Das Vikariat war eine  Einrichtung der Katholischen Kirche, die der verfolgten Bevölkerung Rechtsbeistand und konkrete Hilfe leistete. Das Vikariat sorgte auch für die Arbeitslosen und organisierte Gruppen für Frauen, die handarbeiten konnten und damit Geld für den Lebensunterhalt ihrer Familien erhielten.
Schwester Karoline, deren Arbeit in den Armenvierteln von Santiago die Johannesgemeinde seit 1981 unterstützt, hat ebenfalls Werkstätten gegründet und eng mit dem Vikariat zusammengearbeitet.
Die Arpilleras der Ausstellung stammen aus den Jahren 1980 – 89 und sind ein Geschenk einer Bonnerin, die bei der „Kinderhilfe Chile“ mitgearbeitet hat. Die 1990 eingerichtete Demokratie steht noch immer auf der Verfassung von 1980, die in der Zeit der Militärdiktatur  Pinochets verfasst wurde.
Nach Massenprotesten, die 2019 nach der Erhöhung der Ticketpreise für Busse und Bahn aufflammten, ist das Leben in Chile nicht mehr zur Ruhe gekommen. Der Ruf nach sozialer Gerechtigkeit und einer Änderung der Verfassung wurde immer lauter. Trotz gewaltsamer Versuche der Regierung des Präsidenten Piñeira, die Menschen durch Militär und Polizei einzuschüchtern und mundtot zu machen, hat sich das Volk durchgesetzt. Am 25. Oktober 2020 gab es eine Volksabstimmung, in der sich 78% der Bevölkerung für eine Änderung der Verfassung entschieden hat. Jetzt wird eine Gruppe aus Vertreterinnen und Vertretern unterschiedlicher politischer Lager und
gesellschaftlicher Organisationen einen Verfassungsentwurf erarbeiten. Es wird ein langer Weg, aber der erste und entscheidende Schritt zu einer neuen und gerechteren Gesellschaftsordnung ist getan.
Angesichts der Ereignisse in den Jahren 2019/2020 sind die ausgestellten Arpilleras aus den Jahren 1970 – 1989 erstaunlich aktuell.
Das Sozialwerk von Karoline Mayer, die Fundación Cristo Vive (Stiftung Christus lebt) begann die Arbeit in Zeiten der Diktatur im Jahr 1985 als Fundación Missio mit der Einrichtung von Kindergärten und Frauenwerkstätten, in denen auch Arpilleras hergestellt wurden.
Heute umfasst die Tätigkeit der Fundación Cristo Vive viele soziale Aufgaben in den mehrheitlich von Armen bewohnten Stadtteilen Santiagos und Orten außerhalb der Hauptstadt: Kindergärten,
Tagesstätten für Behinderte, Betreuung von Obdachlosen, Rehazentren für Alkohol- und Drogenabhängige, ein Gesundheitszentrum und eine Ausbildungsstätte für Jugendliche in Handwerksberufen. Auch in Bolivien und Peru ist die Fundacion aktiv und unterhält in Cochabamba
und Umgebung (Bolivien) Kindergärten, eine ländliche Krankenstation in den Bergen, eine Ausbildungsstätte in Handwerksberufen für Jugendliche vom Lande und Begegnungsstätten für alte Menschen, in Cusco (Peru) ein Frauenhaus und Beratungsstellen für Frauen und Familien, ein Dorfentwicklungsprojekt in der Umgebung und Altenbetreuung.

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