Ein Jahr voller Erlebnisse

Ein Jahr voller Erlebnisse- Abschlussbericht von Franziska Sillmann

Tick, Tack, Tick, Tack…Unsere Uhr im Wohnzimmer tickt ununterbrochen. 360 Mal die Stunde, 24 Stunden lang. Ja, die Zeit. Wie schnell sie doch vergangen ist.
Gerade eben bin ich doch noch in Cochabamba gelandet, habe die Stadt bei Nacht von oben gesehen und musste mich an alles erst gewöhnen.

Und jetzt bleiben mir noch genau 11 Tage bis ich mein mittlerweile geliebtes Cochabamba bzw. Tirani wieder verlassen muss. In 11 Tagen soll ein ganzes Jahr, bzw. eigentlich sogar nur 360 Tage schon vorbei sein. Was ist mir der Zeit geschehen? Mit den vielen Tagen und Stunden? Und vor allem was nehme ich von diesem Jahr mit?

In erster Linie habe ich gearbeitet.
Jeden Morgen in den Kindergarten, vorbei am Fenster zu meiner Sala, wo mir schon die ersten „Tia Panchita“ -Rufe entgegen kommen. Durch die Küche, mein Frühstück mitnehmend, dann endlich zu meinen Kleinen und schauen, dass ich nicht umfalle, weil mindestens 15 der Kiddies dann gleichzeitig schreiend auf mich einstürmen und mich umarmen wollen.
Ja, alleine dieses Begrüßungsritual, macht alles, was anstrengend ist, tausendmal wett. Das und die Namen, die sie mir gegeben haben, zeigen mir, dass ich für sie nicht irgendjemand bin. Genauso wie sie mir alle extrem ans Herz gewachsen sind. Auch weil ich schon das ganze Jahr über mit dieser Gruppe arbeite, wird mir der Abschied sehr schwer fallen. Es ist einfach so schön, zu sehen, wie sie sich entwickelt haben, welche Fortschritte sie machen, dass ich nicht glauben möchte, dass ich nicht mehr lange ein Teil ihres Lebens sein werde.

Nach dem Mittagessen, Putzen, Schlafenlegen und der Mittagspause, geht’s dann ab in den Apoyo.
Dort konzentriere ich mich zur Zeit mehr auf die Sala, da das Basteln auch ohne mich sehr gut funktioniert. Außerdem gibt es gerade mit den Jugendlichen sehr viel, wo man verbessern, unterstützen und helfen kann. Besonders Englisch und Mathe sind hier die Fächer, bei denen Philipp und ich Ansprechpartner sind. Vor allem, weil unser Educadora da nicht so fit ist.

Aber auch was Regeln, Respekt, Zukunftsperspektiven usw. angeht, gibt es hier viel zu tun. Auch weil die Sala an sich noch nicht sehr lange existiert und unser Educador letztes Jahr erst angefangen hat, fehlt noch so etwas wie eine Routine, geregelte Abläufe und klare Regeln. Hier wird meiner Meinung nach in Zukunft sehr viel Unterstützung gebraucht. Mir hat besonders Spaß gemacht, mich um ein oder zwei Kids intensiv zu kümmern, und auch einmal nach der Arbeit kleine „Englisch-Nachhilfe-Stunden“ zu geben. Ich hätte so viele Ideen, die ich noch gerne umsetzen würde, doch leider reicht die Zeit nicht.

Gerade in letzter Zeit, der Zeit des Abschieds, bekommen wir oft gesagt, wie viel wir hier helfen usw. Meiner Meinung nach, helfen die Leute hier uns mindestens genauso viel. Wenn ich daran denke, wie ich mich anfangs verständigen konnte. So gut wie gar nicht. Und trotzdem wurde ich irgendwie mit viel Geduld verstanden und unterstützt.
Oder wie viele Dinge sie uns beigebracht haben, über die Kultur, das Leben hier, sogar ein paar Worte Quechua und das Binden eines Aguayos, dem traditionellen Tragetuch. Auch Traditionen wie eine K’oa durften wir mehrfach mitfeiern. Dafür bin ich unendlich dankbar.

Also, was ist mir der Zeit geschehen? Mit den vielen Tagen und Stunden?

Ich hab sie gefüllt, die Zeit.

Ja, meine Zeit hier war gefüllt von schönen Momenten mit den Kindern und Jugendlichen, von traurigen und lustigen Momenten mit meinen Mitfreiwilligen, von abenteuerlichen Reisen durchs Land und gemütlichen Abenden zu Hause. Dieses Jahr war so komplett anders als erwartet und doch genau richtig.
Und genauso wie mein Jahr gefüllt war, werde ich viele kleine und große Erinnerungen, Souvenirs, Traditionen und Gewohnheiten, Bilder und Eindrücke daraus in meinen Koffer packen, wenn es in 11 Tagen dann heißt. Hasta pronto Bolivia! Hallo Deutschland!

Vielen Dank an Cristo Vive Europa, für die Möglichkeit eine solche Erfahrung machen zu dürfen und für die Unterstützung, egal welche Anliegen wir hatten.
Ihr seid die Besten!!!

„Panchita“ /Franziska S.

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